Eine aktuelle Lebenszyklus-Analyse (LCA) des niederländischen Forschungsinstituts TNO zeigt: Bei realen Logistik-Anwendungen wie Fernsehern und Waschmaschinen verursacht expandiertes Polystyrol (EPS) pro unbeschädigt geliefertem Produkt die geringsten Klimawirkungen und liegt damit vor Kartonage, geformter Zellulose und teils auch EPP. Entscheidend ist nicht nur das Material, sondern wie gut es Schäden verhindert. eumeps.eu
Warum diese Studie wichtig ist
Die Analyse betrachtet den gesamten Fußabdruck „von der Wiege bis zur Bahre“ inklusive Verpackungsherstellung, Transport und dem großen Hebel Produktschaden/Produktverlust. Schon kleine Unterschiede bei der Schadensquote kippen das Ergebnis, deshalb ist es ein Fehler, LCAs ohne reale Schadensraten zu interpretieren.
Was wurde verglichen?
Untersucht wurden vier Schutzverpackungen: EPS, EPP, Wellpappe/Kartonage und geformte Zellulose – in zwei Anwendungen: TVs und Waschmaschinen. Bewertet wurde jeweils die Treibhausgaswirkung pro unversehrt zugestelltem Gerät. Für schwere Weißware wurde geformte Zellulose mangels Schutzleistung gar nicht erst modelliert.
Ergebnisse im Überblick
Anwendung: Fernseher
EPS zeigt den geringsten Gesamteinfluss (Summe aus Verpackung, Transport, Produktverlust). Beispielhafte Ergebniswerte (kg CO₂e pro gelieferten TV):
- EPS: 2,38
- EPP: 2,51
- Kartonage: 3,03
- Geformte Zellulose: 3,45
Treiber bei papierbasierten Alternativen sind höheres Volumen/Gewicht (→ mehr Transportemissionen) und eine höhere Schadensquote (→ Produktverlust).
Anwendung: Waschmaschinen (schwere Güter)
Hier verstärkt sich der Vorteil von EPS. Ergebniswerte (kg CO₂e pro gelieferter Maschine):
- EPS: 5,73
- EPP: 7,29
- Kartonage: 8,94
Bemerkenswert: Gegenüber Kartonage spart EPS über den gesamten Lebenszyklus rund 35 % CO₂e. Hauptgrund ist die Kombination aus Schutzwirkung (weniger Schäden) und geringem Eigengewicht.
Der blinde Fleck vieler LCAs: Schadensraten
TNO arbeitet mit realitätsnahen Schadensraten (z. B. 0,8 % für EPS/EPP und 1,25 % für Karton/Zellulose), kleine Abweichungen ändern die Klimabilanz spürbar. Lässt man Schäden weg oder setzt sie für alle Materialien gleich an, verzerren LCAs das Bild und bevorzugen ggf. schwerere oder weniger schützende Lösungen.
Recycling ist wichtig – aber nicht alles
In Sensitivitätsanalysen zeigt sich: Selbst bei 100 % Recycling von Kartonage bleibt die Gesamtwirkung höher als bei EPS mit 40 % Recyclingrate, wenn Schäden und Transport mitbetrachtet werden. Grund: Mehr Masse/Volumen und höhere Schadenrisiken wiegen die Materialvorteile wieder auf.
Einordnung und Takeaways für die Praxis
- Systemblick statt Materialetikett: Entscheidend ist die Leistung der Verpackung in der Lieferkette. EPS schneidet in den getesteten Real-World-Szenarien am besten ab.
- Je schwerer die Güter, desto größer der EPS-Vorteil weil Schäden teurer werden und leichte, formstabile Polster den Transport entlasten.
- Konsistente Datengrundlage: Funktionale Einheit ist „1 Produkt unbeschädigt geliefert“. Das ist für Logistik und E-Commerce der einzig relevante KPI.
Fazit
Die neue TNO-LCA belegt: EPS ist in Schutzverpackungen für schwere Güter ökologisch im Vorteil, weil es Schäden wirksam verhindert, dabei leicht bleibt und so Transport- sowie Ersatzemissionen minimiert. Für Marken, Händler und Logistiker heißt das: Wer den wirklichen Klima-Fußabdruck senken will, optimiert zuerst die Unversehrtheit der Lieferung und trifft dann die Materialwahl.
Quellen: EUMEPS/NEPSA Factsheet basierend auf TNO (2025) inkl. Ergebnisgrafiken und Methodik; Veröffentlichungsseite mit Downloads